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Kenai © Christian Heeb
© Christian Heeb

Nationalparks der USA: Kenai Fjords, Alaska



Eisfelder und Gletscher in allen Formen und Variationen machen die Faszination dieses Parks aus. Begegnungen mit Elchen und Bären inklusive.

DER PARK


Eis gibt es in zahllosen Formen: von kleinen Brocken bis zu ungeheuren Feldern, die bis an den Horizont reichen. Die großen Attraktionen im Kenai Fjords National Park aber sind die Gletscher, die von den Bergen herabkriechen, wie Kuchenteig verlaufen oder im Meer kleine Buchten erschaffen: die Fjorde, denen der Nationalpark seinen Namen verdankt.
Allein aus dem Harding Icefield, dem bis zu 1.500 Meter dicken Schild aus Eis im Zentrum des Parks und einem der größten Eisfelder in den USA, entspringen an die 40 Gletscher, der größte von ihnen ist der Bear Glacier. Harding Icefield ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, als Alaska weitgehend von Eis bedeckt war.
Kenai © Christian Heeb
© Christian Heeb
Hohe Chance auf eine Tierbegegnung.
Eis gibt es hier auch in unterschiedlichen Farben: Schnee verdichtet sich hier über Jahrzehnte hinweg zu Eis, ab einer bestimmten Dichte zerlegen Eiskristalle weißes Sonnenlicht in seine spektralen Bestandteile. Sie pressen die eingeschlossene Luft heraus und schlucken Rot und Gelb. Nur kurzwelliges blaues Licht wird reflektiert - das Eis leuchtet blau, eine faszinierende Erscheinung.
Für Besucher leicht einsehbar ist der Exit Glacier. An seinem Rand kann man bequem Wanderwege entlang spazieren, die Wahrscheinlichkeit, Elchen und Bären zu begegnen, ist groß. Fuchse, Marder und Vielfraße durchstreifen die ursprünglichen Wälder. Und das Eis lebt: Es knarrt und stöhnt, während es sich in unendlicher Langsamkeit durch die Landschaft schiebt und sie wie ein Bildhauer formt.
Kenai Fjords National Park umfasst 2.700 Quadratkilometer der Berglandschaft auf der Kenai-Halbinsel an der südliche Spitze Zentralalaskas. Gegründet wurde Kenai Fjords 1980, der Park liegt südwestlich von Seward, einem 2.800 Einwoher kleinen Hafenstädtchen am Seward Highway, 127 Meilen südlich von Anchorage.
Neben dem Exit Glacier sind die Küstenlinie mit ihren Buchten und das Harding Icefield selbst die beiden großen Attraktionen des Parks. Dessen größter Teil besteht jedoch aus schwer zugänglichem, nicht erschlossenen Hinterland: steile Felsenklippen und tiefe Schluchten, die oft von dichter Vegetation bewachsen sind.
Ein Ereignis ist es, die wilde Küste mit ihrer unvergleichlichen Vielfalt an Seevögeln auf einer halb- oder ganztägigen Bootstour zu erkunden. Pinguine, Kormorane, Trottellummen und Papageientaucher tummeln sich rund um die Klippen. Seehunde und Seelöwen, Otter, Buckelwale und Grauwale sind hier zuhause. Eine besondere Attraktion sind die Orkas, die schwarz-weiß gemusterten Killerwale. Bootsausflüge in die (meistens eisfreien) Gewässer kann man das ganze Jahr über in Valdez, Whittier oder Seward buchen.
Wer den Meeresbewohnern noch näher kommen will, kann dies per Kajak tun. Da die Gewässer hier tückisch sind, oft hoher Seegang herrscht und das Wetter sich schnell ändern kann, sollten jedoch nur erfahrene Paddler in See stechen. Empfehlenswert ist, sich vom Wassertaxi aus in der beliebten Aialik Bay oder der Northwestern Lagoon absetzen zu lassen. Grundsätzlich sollte man sich hier gut über Strömungs- und Wetterverhältnisse informieren.
Das Harding Icefield treibt von die Bergen westlich der Resurrection Bay seine Gletscher zum Wasser hinab. Touristen besuchen es meist per Flugzeug: Sightseeing-Trips mit Kleinflugzeugen und Hubschraubern bieten einen guten Eindruck, vor allem die "Nunataks" sind sehenswert: Allein stehende Berggipfel ragen aus dem Eisfeld heraus wie Inseln in einem eingefrorenen Meer. Wenn die Witterung es erlaubt, landen manche Piloten auf dem Eisfeld - die Veranstalter stellen Kaltwetterkleidung zur Verfügung und kennen die sicheren Stellen in der weißen Wüste.
Wer im Icefield bergwandern, klettern oder es auf Skiern oder Schneeschuhen durchqueren möchte, sollte auf jeden Fall Erfahrung im Gletscherwandern besitzen. Eine Durchquerung dauert zwischen sechs Tagen und zwei Wochen, professionelle Ausrüstung ist dabei unabdingbar. Gnadenlose Stürme haben hier schon viele Schneewanderer zum Umkehren gezwungen.

EIN TAG IM PARK


Vom Exit Glacier Nature Center führt ein weites Netz aus Wegen in den Park hinein und bis unmittelbar an den Gletscher heran. Da wir den Tag für eine ausgiebige Wanderung nutzen wollen, entschließen wir uns, den 7,4 Meilen langen Harding Icefield Trail anzugehen - jeweils 3,7 Meilen hin und zurück, mitten hinein in die dramatische Wildnis des Parks.
Vom Grund des Tals aus windet sich der Weg in die Höhe, durch Pappel bestandene Hänge, Erlenwälder und weite, mit Heidekraut bewachsene Wiesen. Zwischendurch erhaschen wir einen Ausblick auf die Endausläufer des Exit Glacier, der sich linker Hand an uns vorbeiwälzt. Unser Atem wird schwerer.
Langsam setzen wir einen Fuß vor den anderen. Immer wieder müssen wir felsige, mit Geröll bedeckte Passagen überwinden, an denen wir die Hände zu Hilfe nehmen, um uns abzusichern. Sträucher mit Prachthimbeeren schließen sich links und rechts zu einem unpassierbaren Dickicht zusammen - eine Leckerei für Schwarzbären, die wir an den Hängen gottlob aus sicherer Entfernung beobachten. Die Bärenjungen sitzen besonders gern in den Bäumen und betrachten die Wanderer neugierig.
Wir kommen nur langsam voran - noch langsamer, als wir gedacht hatten. Als wir den "Top of Cliffs Overlook" nach 2,3 Meilen erreichen, sind schon drei Stunden vergangen! Dafür bietet sich uns hier erstmals ein grandioser Ausblick, der uns neue Energie für den Rest der Strecke gibt: Linker Hand blicken wir auf die wulstigen Moränen des Gletschers, zu unserer Rechten ragen vereinzelte Gletscherzungen in kleinere Täler hinein.
Mit jeder Meile, die wir fortschreiten, bewältigen wir einen Höhenunterschied von einigen 100 Metern, insgesamt überwinden wir 900 Meter Höhe. Das Sonnenlicht ist intensiv, Sonnencreme und -brillen sind hier unentbehrlich. Auch Wasser tragen wir bei uns, da die Bäche, die hier entlang fließen, mikroskopisch kleine Darmparasiten enthalten, die Übelkeit und Durchfall verursachen.
Es dauert nicht mehr lange, bis wir die Baumgrenze hinter uns lassen. Der Blick wird freier, die Landschaft karger. Der Weg führt nun ziemlich gerade nach Norden. Von einer Notunterkunft bei Meile 3,6 sind es nur noch wenige Minuten bis zum Aussichtspunkt am Ende des Weges, wo uns ein atemberaubender Blick über die Weite des Harding Icefield erwartet: So muss die Erde in der Eiszeit ausgesehen haben! Schnee und Eis erstrecken sich bis zum Horizont, nur die einzelnen Nunataks unterbrechen die flirrende Fläche. Nachdem wir ein wenig verschnauft haben, kehren wir um und machen uns an den mitunter recht glitschigen Abstieg.

ANREISE


Man erreicht den Park per Bus, Zug oder Auto, ab Anchorage führt die Strecke 127 Meilen über den Seward Highway, einen National Scenic Byway mit Ausblicken auf den Kenai Lake, gezackte Bergpanoramen, auf Gletscher und Sümpfe. Die Fahrt dauert etwa 2,5 Stunden. In Seward gibt es einen Visitor Center (1212 4th Avenue), er ist von Memorial Day (30. Mai) bis Labor Day (1. Montag im September) von 8.30 bis 19 Uhr geöffnet.
Der Weg in den Park führt von Seward aus nach Norden, biegt nach drei Meilen links ab und folgt acht Meilen einer asphaltierten Straße. Am einzigen Zugang zum Park gibt es eine Ranger Station, die Gebühr für einen Besuch mit Auto beträgt fünf Dollar. Das Ticket gilt sieben Tage. Fähren setzen ab Homer oder Kodiak über, einmal pro Monat auch von Juneau. Etwas außerhalb von Seward gibt es außerdem einen kleinen Flugplatz.

REISEZEIT


Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet. Die Exit Glacier Road ist jedoch ab dem ersten Schneefall, meist Ende Oktober / Mitte November, für die Wintermonate gesperrt. Für Schneefahrzeuge, Besucher auf Skiern oder auch Hundeschlitten bleibt sie jedoch geöffnet.
An 117 Tagen im Jahr gibt es in Seward Niederschläge, im Sommer regnet es oft. Um das Eisfeld zu durchwandern, ist der April der beste Monat: Die Tage werden wärmer und länger, aber es gibt noch eine ausreichende Schneeunterlage. Im Juli und August starten geführte Wanderungen über den Harding Icefield Trail jeden Samstag um 9 Uhr ab dem Exit Glacier Nature Center.

LODGING UND CAMPING


In Seward hat sich in moderatem Ausmaß eine Tourismusindustrie angesiedelt, so dass es hier Hotels, Motels und B&Bs in genügender Anzahl gibt. Im Exit Glacier gibt es einen kostenlosen Campingplatz mit 12 Zeltplätzen auf "first come, first serve"-Basis. Im Hinterland und in den Buchten ist Zelten fast überall erlaubt, man sollte sich jedoch zuvor zur eigenen Sicherheit registrieren, etwa im Kenai Fjords Information Center oder bei den Betreibern der Wassertaxis in Seward. Entscheidend ist, die Hinweise zum bärensicheren Verstauen von Lebensmitteln einzuhalten.
In den Fjorden gibt es vier im Sommer öffentlich nutzbare Hütten, die man per Boot, Kayak oder Kleinflugzeug erreicht. Für die einzige Winterhütte am Exit Glacier, die Willow Public Use Cabin, sind Reservierungen und ein Permit notwendig, den man in Seward erhält.

© Text: Hannes Klug
 

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