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Petrified Forest, Arizona © Christian Heeb
© Christian Heeb

Nationalparks der USA: Petrified Forest, Arizona



Nicht nur Wanderungen durch einen "Wald" aus versteinerten Bäumen machen den Nationalpark zum Highlight: zu dem Gebiet gehört auch die bunte Painted Desert.


DER PARK


Die Hauptattraktion des Petrified Forest National Parks führt zunächst in die Irre: Jemand scheint kürzlich mitten in der Wüste Arizonas riesige Bäume gefällt, mit der Motorsäge in Blöcke geschnitten und dann liegen gelassen zu haben. Doch wer näher herangeht, erkennt: Die Blöcke sind zwar oft mit perfekter Rinde und deutlichen Jahresringen versehen, aber irgendetwas ist nicht mit ihnen in Ordnung.
Sie schillern in Regenbogenfarben, haben blutrote Segmente, andere scheinen mit Glitter bestäubt worden zu sein. Berührt man sie, wird klar: Die Bäume bestehen nicht aus Holz, sondern aus kaltem Kristall: Rauchquarz, Amethyst, Gold-Citrine. Die Baumfriedhöfe des Petrified Forests sind Boten aus einer anderen Zeit - die neun Baumarten, die im Park versteinert vorkommen, sind längst ausgestorben.
Zu der Zeit, die den Petrified Forest National Park geprägt hat, lag das heutige Arizona direkt am Äquator. Durch die Südwestspitze des Mega-Kontinents Pangaea zogen Ströme, die weit größer als alles waren, was heute auf der Erde fließt. In diesem heißen, feuchten Klima wucherten Galeriewälder, Farne und riesige, schweifähnliche Schachtelhalme, weit überragt von Nadelbäumen, die 60 Meter Höhe erreichten. In den Strömen lauerten riesige Amphibien; die Vorfahren der Krokodile beherrschten das Festland. Dort richteten sich die ersten Dinosaurier auf die Hinterbeine auf und begannen, in Rudeln zu jagen.
Das Klima prägten die starken Monsunregen, aber auch Vulkane. Ständig ging Asche nieder, die der Wind aus einem nahe gelegenen Vulkanfeld herüber trug. Von den nördlichen Aussichtspunkten des Parks kann man immer noch viele der Krater erkennen, die inzwischen mit Wasser gefüllt friedlich daliegen.
Vor 225 Millionen Jahren spuckten die Krater Lava in den Himmel. Immer wieder stürzten Bäume in die Flüsse, viele verhakten sich und blieben am Grund hängen. Einige von Ihnen wurden unter Schlamm begraben, ehe sie verrotten konnten. Vom Sauerstoff abgeschlossen, drang Grundwasser, das mit Vulkanasche versetzt war, in die Pflanzenzellen ein. Eisen und andere Mineralien sowie Quarz ersetzten das organische Material, ohne dessen Struktur zu zerstören - die versteinerten Bäume waren entstanden: begraben und für die Ewigkeit konserviert.
Vor 60 Millionen Jahren gerieten die Erdschichten in Bewegung und die Kristall-Bäume wurden wieder an die Oberfläche gespült. Die meisten von ihnen waren unter dem Druck der Sedimente zerbrochen.
Alles scheint sich um die Petrified Forests zu drehen, doch der Parkname unterschlägt die andere Attraktion: Die Painted Desert. Mächtige Hügel, die mit weißen, blauen, grünen grauen, lila und roten Bändern verziert sind. Die riesigen Flüsse der Triaszeit haben die Schichten zurückgelassen und die eisenhaltigen Ablagerungen wurden von der Wasserlinie in unterschiedlichen Farben getönt.
Dieses Farbkaleidoskop wurde berühmt, als die amerikanischen Automobilisten in den 30er Jahren begannen, über die neu geschaffene Route 66 Richtung Kalifornien zu fahren. Die legendäre Strecke führt auch heute noch direkt durch den Park, die alte Straßendecke liegt allerdings unter der modernen Interstate 40.
Der Park wurde im Jahr 1962 gegründet, um die große Ansammlung der Fossilien zu schützen. Doch die Bäume sind bei weitem nicht die einzigen Überreste aus der Urzeit, die Wissenschaftler hier finden: Im Jahr 2002 wurde sogar ein kompletter Aetosaurier ausgegraben. Und trotz Schutzbestimmungen und empfindlicher Strafen: Immer noch stehlen Touristen jährlich mehrere Tonnen der Baumkristalle aus dem Park.

EIN TAG IM PARK


Die Park Road führt am südlichen Ende in das Schutzgebiet hinein und läuft bis hinauf ins nördliche Viertel. Dahinter liegt eine Wilderness Area, die Besucher nur auf eigene Faust und mit entsprechender Ausrüstung erwandern können.
Wir beginnen die Reise im Rainbow Forest Museum im Süden. Hier kann man sich mit den versteinerten Bäumen und geologischen Formationen vertraut machen. Das Museum liegt in einem der "Forests", wie die Anhäufungen von versteinerten Bäumen genannt werden.
Auf dem Giant Logs Trail kann man einige schöne Exemplare sehen, unter anderem "Old Faithful", der mit einem Durchmesser von fast drei Metern der dickste Stamm im Park ist.
Anschließend fahren wir die kurze Strecke zu den Long Logs. Am Parkplatz geht ein kleiner Rundweg los, der zur größten Fundstätte von versteinertem Holz im Park führt. Die Stämme hier sind bis zu 50 Meter lang. Wer mehr Zeit hat, kann über den Long Logs Trail auf 1,5 Meilen durch den "Wald" wandern.
Wer der Teerstraße zu Fuß eine halbe Meile folgt, kommt an das berühmte Agate House. In den 30er Jahren hat man hier ein Pueblo der Anasazi-Indianer aus versteinertem Holz nachgebaut. Das Vorbild war zwischen 1050 und 1300 nach Christus erbaut worden. Wissenschaftler vermuten, dass Nomaden oder durchziehende Händler das Agate House errichtet haben. Das Gebäude aus Kristallen wirkt in der weiten Wüste merkwürdig verloren.
Nun folgen wir wieder der Parkstraße bis zur Abzweigung nach Blue Mesa. Diese seltsamen Badlands bestehen aus einer tief zerschnittenen Hochfläche, die Streifen in bleichen Farben trägt.
Am Parkplatz bietet sich wieder eine der wenigen Möglichkeiten, im Park auf markierten Wegen zu wandern. Der Blue Mesa Trail führt über etwas mehr als eine Meile an den Fuß des Canyons und wieder hinauf. Heftiger Wind und viele andere Reisende können das Vergnügen zwar trüben, aber die Wanderung führt durch eine der spektakulärsten Landschaften des Parks: Hügel, Kegel und schartige Kuppeln tragen Lavendel und Grau.
Die Schichten, die die Besucher mit Ihrem Weiß blenden, bestehen übrigens aus Vulkanasche. Dieser Lehm schwemmt auf, wenn es regnet und schrumpft in Trockenperioden. Daraus resultieren Schrunden und Risse auf der Oberfläche, die sogenannte Elefantenhaut. Auch hier sollte man - wie überall im Park - immer auf das Wetter achten: Die gefürchteten Sommerstürme können sich blitzschnell zusammenbrauen.
Wieder auf der Hauptstraße, kommen wir an den Teepees vorbei - warum sie so heißen, wird sofort klar, wenn man die bunt geringelten Hügel sieht, die sich Schulter an Schulter durch die Landschaft ziehen.
Die Pueblo Indian Ruin befindet sich zwei Meilen weiter. Hier kann man die Felszeichnungen der Anasazi inspizieren. Darunter ist auch eine gemeißelte Spirale, die offensichtlich als Kalender genutzt wurde. Um den 22. Juni herum führen Ranger die Besucher früh am Morgen hierher. Die ersten Sonnenstrahlen treffen am längsten Tag des Jahres genau in die Mitte der Scheibe. Die Felsmalereien am nahe gelegenen Newspaper Rock sind nicht direkt zugänglich, man kann sie aber von dem Aussichtspunkt darüber noch gut erkennen.
Wir überqueren den nur selten fließenden Puerco River und danach die Interstate 40. Kurz dahinter liegt der Lacey Point, einer von acht Aussichtspunkten über die Painted Desert. Von hier aus, wie auch vom Pintado Point, sehen die nackten Hänge der bunten Felslandschaft ganz besonders interessant aus. Letzterer ist der höchst gelegene Aussichtspunkt im Park.
Zu seinen Füßen liegt der Lithodendron Wash. Meist liegt das Flussbett staubtrocken da, doch nach den Monsunregen schießt Wasser bis über einen Meter tief und 30 Meter breit durch den lehmigen Kanal - ein unwirklicher Anblick in der extremen Trockenheit der Wüste. In der Ferne, tief in der Wilderness Area, steht der 1.900 Meter hohe Pilot Rock.
Die Painted Desert ist ein schmaler Felsstreifen, der westlich vom Grand Canyon beginnt und sich bis in den Petrified Forest National Park zieht. Er ist nicht nur ein faszinierendes Farbspektakel, sondern eine noch fast völlig unerschlossene Quelle für Wissenschaftler: An manchen Stellen sind die Schichten, in denen Fossilien gefunden werden, bis zu 90 Meter dick. Hier schreitet die Erosion extrem stark voran, so dass versteinerte Baumstämme und Dinosaurierskelette an die Oberfläche gelangen .
Wer einen kleinen Vorgeschmack von einer Wanderung in die Wilderness Area bekommen will, begibt sich zum Kachina Point am alten Painted Desert Inn. Hier begann der Tourismus im Park in großem Stil - viele der Route-66-Pilger kehrten hier ein. Sein freundlicher Service und das gute Essen waren fast ebenso legendär wie die berühmte Route.
Hier startet ein Weg, der unter die Kante der Hochebene führt, sich aber auch schnell verliert. Schon die Suche nach der nächsten Wegmarke, der Onyx Bridge, ist ein Abenteuer. Der zerbrochene Baumstamm ist kaum als Brücke zu erkennen. Wer sich mit einer Permit ins Hinterland begibt, sollte genau wissen, was er tut.
Am Painted Desert Visitor Center führt die Parkstraße auf die Interstate 40 hinaus.

REISEZEIT


Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet, die Parkstraße kann aber im Winter gesperrt sein. Die Hälfte des jährlichen Regens fällt während heftiger Gewitter in den Monaten Juli, August und September. Wenn danach die Sonne wieder zum Vorschein kommt, zeigt sich der Park von seiner schönsten Seite.

ANREISE


Über die Interstate 40 von Flagstaff im Westen, ab Holbrook über den Highway 180 zum Südeingang. Aus dem Osten ebenfalls auf der I 40 über Albuquerque.

UNTERKUNFT


Eine Reihe von Hotels und Motels gibt es in Holbrook, 20 Meilen vom Park entfernt, z.B. das Best Western Arizona Inn, 2508 Navajo Boulevard, Holbrook, www.book.bestwestern.com. Es gibt keine Campingplätze im Park.

AUSKUNFT


Infos über den Park unter www.nps.gov/pefo


Ausgabe 5-2007

© Text: AMERICA/Lukas Martin
 

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