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Everglades National Park, Florida.  © Christian Heeb
© Christian Heeb

Nationalparks der USA: Everglades, Florida



Schier unendlich erstreckt sich die Sumpflandschaft der Everglades im Süden Kaliforniens. Doch das Weltnaturerbe ist bedroht.


DER PARK


Viele Nationalparks scheinen vor allem angelegt worden zu sein, um die Orte in jedem Reiseführer zu verankern. Niemand würde eine Fabrik an den Rand des Grand Canyon setzen oder eine Ferienhaussiedlung in den Badlands hochziehen. Im Fall der Everglades ist die Situation anders. Die Sumpflandschaft im Süden Floridas wird systematisch zerstört, obwohl sie längst als Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe geschützt ist. Mit ihr ist eine Tier- und Pflanzenvielfalt bedroht, wie man sie nur an wenigen Plätzen der Erde findet.
Die Everglades sind Grenzland. Tropische treffen auf subtropische Pflanzen, Süßwasserfische auf Meeresbewohner, Trocken- trifft auf Regenzeit und mittendurch kriechen die biologischen Grenzgänger: Amphibien.
Die Bedrohung kommt von außen und liegt teilweise hunderte von Kilometern entfernt. Denn der Everglades Nationalpark ist zwar 6.100 Quadratkilometer groß, bedeckt aber nur 20 Prozent des Everglades-Sumpfsystems. Vier Fünftel sind also direkt dem menschlichen Einfluss ausgesetzt. Und so wird auch dem Park langsam das Wasser abgegraben: Miami und Fort Lauderdale im Osten, Tampa und St. Petersberg im Westen werden immer raumgreifender und mit ihnen wächst das Verlangen nach Swimming Pools, Golfplätzen, Gärten und Parkanlagen. Riesige bewässerte Farmen reichen bis an die Grenze des Naturschutzgebietes und schwemmen obendrein das vom Dünger vergiftete Abwasser in die "Glades" hinein.
Everglades National Park, Florida.  © Christian Heeb
© Christian Heeb
Everglades: Reich der Alligatoren
Der Krieg um den Erhalt der Everglades ist über hundert Jahre alt. Jetzt, da die Naturschützer immer mehr Schlachten gewinnen, ist er schon fast verloren. Selbst das Acht-Milliarden-Dollar-Projekt zur Wiederbelebung des Sumpfsystems, das Bill Clinton in den letzten Wochen seiner Amtszeit durchgeboxt hat, wird von den Lokalpolitikern verschleppt. Immer noch rauschen pro Tag 6,5 Milliarden Liter Wasser über künstliche Kanäle nutzlos ins Meer.
Natürlich sind Sümpfe bei den Menschen traditionell wenig beliebt. Sie brüten Moskitos aus, bringen giftige Schlangen, gefährliche Reptilien und tödliche Krankheiten hervor. Doch dort, wo sich Wasser und Land überlappen, ist die faszinierendste Tierwelt zu finden, weil sich die Lebensräume vermischen.
Raubkatzen, Seekühe und Alligatoren leben hier nebeneinander. Dazu kommen 700 Pflanzen- und 300 Vogelarten, die die Everglades zu einem Spektakel machen - allerdings nur für den, der genau hinschaut. Auf den ersten Blick sind die Sümpfe ein Meer aus Sägegrass, platt wie ein Crêpe und ein bisschen öde. Die Alligatoren liegen meist wie Plastikattrappen in der Sonne und rühren sich keinen Zentimeter. Viele der 1,5 Millionen Besucher pro Jahr bekommen überhaupt kaum Tiere zu sehen. Wenn sie auf den beliebten Propellerbooten angedonnert kommen, haben sie nicht nur die Flamingos längst in die Flucht geschlagen.
Mit Tempo ist hier nichts gewonnen, das Wesen der Everglades ist die Langsamkeit. Der Ursprung der Sümpfe ist ein Flusssystem in Nordflorida, das sich in die Kissimee-Seen und den Lake Okeechobee ergießt. In der Regenzeit von Mai bis Oktober schwappen sie über. Da sich das Land auf den nächsten 500 Kilometern nur um winzige fünf Meter neigt, bildet sich ein gespenstisch langsamer Fluss, der am Tag nur 30 Meter zurücklegt und deshalb zu wenig Schwung hat, sich ein Bett zu graben. Erst 40 Jahre später fließt das Wasser in den Golf von Mexiko. Der Begriff Everglades kommt von einer Verballhornung des Wortes "River Glades", also "Lichtungen am Fluss".
Auf seinem Weg nährt der Strom über 2.000 verschiedene Pflanzenarten, 45 davon kommen nur in den Everglades vor. Besonders faszinierend sind die bis zu 30 Meter hohen Sumpfzypressen und die Mangroven, die auf ihren Luftwurzeln wie auf Stelzen über dem Wasser stehen.
Auf den Hammocks, kleinen Inseln, die selbst in der Regenzeit nicht überspült werden, leben neben den seltenen Floridapanthern und Rehen auch Reiher, Löffler und Ibisse: Im Winter fliegen Millionen von Zugvögeln aus dem kalten Norden ins warme Florida.
Auf den Hammocks trifft man auch auf eine ungeheure Vielfalt an Pflanzen: Der Mahagonibaum, oft umschlungen von einer Würgefeige, der Gumbo Limbo, wegen seiner roten, sich schälenden Rinde auch "Touristenbaum" genannt, die majestätische Königspalme.
Den Boden ist bedeckt von hohem Alligatorgras, Rohrkolben oder den kakteenartigen Sägepalmen. Fische und Krustentiere leben direkt am Land und bieten Vögeln und Amphibien Nahrung. Über allem liegt das Quaken der Grünen Baumfrösche.

EIN TAG IM PARK


Es gibt zwei Straßen, auf denen man die Everglades mit dem Auto erschließen kann. Die erste ist der Tamiami Trail, der den Nationalpark im Norden begrenzt und die meiste Zeit durch die angrenzende Big Cypress National Preserve führt. Von ihr biegt die 24 Kilometer lange Tram Road ab, die nicht mit dem eigenen Auto befahren werden darf. Sie ist eine der besten Gelegenheiten im Park, Alligatoren zu beobachten und endet am Shark-River-Aussichtsturm, zu dem eine markante Betonspirale hinaufführt.
Die andere Straße ist die Main Road. Sie führt direkt in das Herz des Parks und bis an die Südspitze des amerikanischen Festlandes, nach Flamingo. Die 50 Kilometer lange Strecke beginnt am Main Visitor Center, wir aber fahren vier Meilen weiter und biegen dann nach links zum Royal Palm Visitor Center ab, um einen ersten Eindruck zu bekommen.
Den 800 Meter langen Anhinga Trail kann man zwar auch auf eigene Faust abwandern, doch mit einer Führung macht es viel mehr Spaß. Ein Holzpfad schlängelt sich über Marschland, das auch im Winter feucht bleibt und dann die Tiere zum Trinken anzieht.
Hier sind Alligatoren zu sehen, Rehe, Schlangen, Schildkröten und meist auch der Vogel, der diesem Weg seinen Namen gegeben hat - der Schlangenhalsvogel hat eine akrobatische Art entwickelt, sich zu ernähren: Er stößt seinen Kopf ins Wasser und spießt mit dem spitzen Schnabel einen Fisch auf. Um seine Beute nun ins Maul zu bekommen muss er sie in die Luft schleudern und mit dem Schnabel wieder auffangen. Ein tolles Schauspiel, es sei denn, der Fisch landet quer im Hals des Vogels. Dann erstickt er.- Danach fahren wir weiter Richtung Südwesten und halten am Pineland Trail. Dort kann man auf einem einen Kilometer langen Lehrpfad die Reste der Kiefernwälder betrachten, die große Teile Südfloridas bedeckt haben, bevor sie gerodet wurden. - Ein paar Kilometer weiter kommt man zum Pa-Hay-Okee Overlook, wo man von einer Plattform aus über die Wasserprärie schauen kann. Wenn der Wind darüber streicht, wechselt das Grasmeer in Wellen seine Farbe. Hier sind viele Stelzvögel und Falken zu sehen, die sich Apfelschnecken vom Sägegras picken.- Nach 32 Kilometern erreicht man die Mahagony Hammock, eine größere Insel aus Harthölzern, auf der der größte lebende Mahagonibaum der USA steht. Kaum zu glauben, dass jede dieser Inseln einmal aus Blättern und Zweigen entstanden ist, die sich im Labyrinth von Stämmen, Ästen und Mangrovenwurzeln verfangen haben. Auf dem Hammock herrscht im Sommer eine Dschungelatmosphäre, Besucher sollten vor allem auf die Baumschlangen achten, die hier besonders gut zu beobachten sind.- In Flamingo angekommen, hat man dann noch Zeit, beim Visitor Center eine Bootstour zu buchen, um tiefer in die Everglades einzutauchen. Flamingos leben hier allerdings keine - die kommen nur im Ortsnamen vor.

TIERBEOBACHTUNG


Zunächst einmal: Die Everglades sind ungefährlich, wenn man gebührenden Abstand zu den Alligatoren hält. Der Lebensraum für die rund zwei Millionen Tiere wird immer knapper. Täglich siedeln sich 850 Menschen in den Ballungszentren rund um die Everglades an. Dazu kommt die Bedrohung durch die "Burmesische Python". Als beliebtes Haustier wird sie oft in den "Glades" ausgesetzt und machte Anfang 2006 Schlagzeilen: Ein Exemplar der Schlange hatte einen zwei Meter langen Alligator geschluckt und war anschließend geplatzt.
Tatsache ist: Alligatoren sind gefährlich und können auf dem Land über kurze Distanz eine Geschwindigkeit von 45 Km/h erreichen. Gerüchte, es hätte keinen Sinn, wegzurennen, sind aber trotzdem Unsinn. Kann man sich das Tier 15 Meter lang vom Leib halten, erlahmen seine Kräfte sofort wieder. Die Ranger raten: Mindestens fünf Meter Abstand und auf keinen Fall füttern!
Die ideale Art, sich die Tierwelt zu erschließen, ist eine Fahrt mit dem Kanu. Von Flamingo aus führt der 140 Kilometer lange Wilderness Waterway durch die Wasserlandschaft am Rande des Parks. Dort kann man auch geführte Halbtagestouren buchen.
Vom Kanu aus kann man in aller Ruhe die verschiedenen Tierarten beobachten und sich davon faszinieren lassen, wie perfekt sie sich dem Leben im Park angepasst haben: Vom kleinen Mangrovenreiher der mit seinen kurzen Beinen und dem kurzem Hals in der Uferzone nach Essen sucht bis zum Graureiher, der auf seinen storchenlangen Beinen im tiefen Wasser auf Jagd geht.
Was die Hammocks über Wasser, sind die Alligatorenlöcher unter Wasser: Hier tummelt sich das meiste Leben. Die Alligator Holes sind Kuhlen, die die Echsen mit ihrem Schwanz graben. Im trockenen Winter sammelt sich hier der Rest des Wassers und die Tiere finden eine Zuflucht. Auch wenn der Spiegel wieder steigt, bleiben die Kuhlen ein Refugium für Fische, Frösche oder Krebse - und das Jagdrevier der Alligatoren, die sich hier nach Lust und Laune bedienen.
Der Waterway endet in Everglades City im Nordwesten des Nationalparks. Unterwegs kann man auf den vielen Plattformen schlafen, die als Campingplätze dienen. Hier sollte man wie überall im Park immer Insektenmittel auftragen und lange Kleidung tragen, egal wie heiß es wird.

REISEZEIT


Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet, in der Regenzeit im Sommer haben einige Einrichtungen nur eingeschränkt geöffnet. Von Januar bis April sind die Temperaturen am angenehmsten und die sommerlichen Regenschauer und Gewitter haben sich noch nicht eingestellt (Mai bis Oktober). Danach werden die Everglades noch urwaldartiger. Im Spätsommer und Herbst muss man mit Hurrikanen rechnen.

ANREISE


Von Miami über den Highway 1 bis nach Florida City, von dort über die State Road 9336 bis zum Main Visitor Center. Will man den Norden besuchen, fährt man von Miami aus über den Highway 41, den sogenannten Tamiami Trail. Hier zweigt die Tram Road nach Shark Valley ab und man kann am Ende nach Everglades City abbiegen, einem weiteren Zugang zum Park. Von St. Petersburg und Tampa nimmt man die 41 in Richtung Süden.

UNTERKUNFT


Hotels, Motels und Lodges gibt es in Everglades City, Florida City und Homestead. Der Flamingo Campground und der besonders attraktive Campingplatz in Long Pine Key sind das ganze Jahr über geöffnet.

AUSKUNFT


Infos zum Park unter www.nps.gov/ever


Ausgabe 4-2006

© Text: AMERIKA/Lukas Martin
 

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