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Sequoia & Kings Canyon National Park, Kalifornien © Christian Heeb
© Christian Heeb

Nationalparks der USA: Sequoia und Kings Canyon, Kalifornien



Ehrfurcht ergreift die meisten Besucher angesichts der bis zu 80 Meter hohen Sequoia-Bäume, ebenso wie in einer der größten Schluchten der USA, dem Kings Canyon.


DER PARK


Lange vor Disney hat die Natur in Kalifornien einen Themenpark geschaffen, so lang ist die Liste seiner Attraktionen. Viele von ihnen hätten schon für sich allein die Einrichtung eines Nationalparks gerechtfertigt: Die riesigen Marmorhöhlen des Crystal Cave zum Beispiel, der höchste Berg und die abgelegensten Flecken der USA südlich von Alaska, eine Vielfalt von Tieren und Pflanzen, die sich über 4.000 Meter Höhenunterschied erstreckt und natürlich die größten Lebewesen der Welt, die Sequoias oder Mammutbäume.
Um diese Riesen zu schützen, wurde Sequoia im Jahr 1890 unter dem Namen General Grant National Park gegründet und ist damit der zweitälteste Nationalpark der USA. Im Jahr 1943 wurde er mit dem Kings Canyon zu einem Park verschmolzen.
Holzfäller waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den Hängen der Sierra Nevada vorgedrungen und hatten die Sequoias entdeckt. Ein einziger Stamm der riesenhaften Bäume brachte bis zu 2.000 Tonnen Holz. Der massivste unter ihnen, nach dem Bürgerkriegsgeneral William T. Sherman benannt, ist 84 Meter hoch und hat einen Umfang von 31 Metern. Es gibt höhere und dickere Bäume. Redwoods in Kalifornien werden über 100 Meter hoch, eine Zypresse in Mexiko hat fast 50 Meter Umfang. Aber die Masse der Mammutbäume bleibt unerreicht.
Auch die Holzfäller hatten mit den mächtigen Brummern schwer zu kämpfen. Ein ganzer Trupp brauchte bis zu drei Wochen, um nur einen der bis zu 3.000 Jahre alten Riesen zu fällen. Bis in die 1880er Jahre wurde in den Wäldern geholzt. Dann erst stoppte die Gründung des Nationalparks die Holzunternehmen.
Warum werden die Bäume so groß? Ihr Geheimnis ist, dass sie über ihre gesamte Lebenszeit ungeheuer schnell wachsen. General Sherman legt noch heute jedes Jahr die Holzmenge eines 18 Meter hohen Baums zu. Außerdem ist die dicke Rinde der Sequoias ihre Rüstung: Die regelmäßigen Brände können ihr nichts anhaben und Schädlinge können sie nicht durchdringen. Der einzige Schwachpunkt dieser Giganten sind ihre Wurzeln, die nicht so tief in den Boden dringen. Die meisten Mammutbäume sterben, weil sie umfallen.
Sequoia ist der südliche Teil des Parks, Kings Canyon der nördliche. Wenige Kilometer außerhalb des Parks erreicht die Schlucht im Herzen der Sierra Nevada 2.500 Meter Tiefe - mehr als der Grand Canyon. Aber auch im Park ist Kings Canyon noch eindrucksvoll genug. Über seinem weiten Tal, das von Gletschern ausgekratzt wurde, ragen abenteuerliche Klippen empor und an seinen Hängen erstrecken sich saftige Wiesen - ab und zu stürzt auch ein Wasserfall hinunter.
Sequoia & Kings Canyon National Park, Kalifornien © Christian Heeb
© Christian Heeb
Giganten aus Holz: Sequoias
Sequoia und Kings Canyon ist ein Outdoor-Park. Seine Schönheit kann man zwar auch aus dem Auto bestaunen. Die meisten Attraktionen jedoch muss man sich erwandern - auch wenn es manchmal nur ein paar hundert Meter sind. Nur eine Straße dringt etwas tiefer in den Park vor. Extrem abgelegen liegt der Mount Whitney, der höchste Berg des Parks und der USA - Alaska ausgenommen. Er ist von den westlichen Parkeingängen nur durch einen Acht-Tage-Marsch zu erreichen.

EIN TAG IM PARK


Der Park ist viel zu groß, um ihn in einem einzigen Tag auch nur annähernd erfassen zu können. Man kann aber genüsslich an der Oberfläche kratzen und das tut man am besten im Giant Forest und am Grant Grove, beides liegt im Sequoia-Teil des Parks. Dort sind die prächtigsten Exemplare der Mammutbäume versammelt.
Über den Highway 198 fahren wir zum Ash Mountain Entrance. Von dort geht es auf dem Generals Highway 17 Meilen lang hinauf zum Giant Forest. Auf dem Weg besichtigen wir bei Hospital Rock eine Indianerausstellung. Die Ureinwohner hatten hier bis 1870 gelebt, als die meisten von ihnen an den Krankheiten starben, die die weißen Siedler eingeschleppt hatten.
Wer die Zeit übrig hat, kann sich auf den Weg zur Crystal Cave machen, wo es Führungen durch die 3,5 Meilen lange Tropfsteinhöhle aus Marmor gibt. Da in der Höhle das ganze Jahr über eine Temperatur von 13 Grad herrscht, sollten Besucher auch im Hochsommer eine Jacke dabei haben. Die meisten Höhlen des Parks sind übrigens noch unerforscht und jedes Jahr werden neue entdeckt. Dort leben Weichtierarten, die oft nur in einer einzigen Höhle vorkommen.
Zehn Meilen weiter kündigt die Baumgruppe "Four Guardsmen" am Giant Forest Village an, was jetzt folgt. In diesem Mammutwald ist der größte Baum der Erde zu bestaunen: General Sherman. Ein Pionier hat ihn so benannt, der im amerikanischen Bürgerkrieg unter dem berüchtigten Nordstaaten-Offizier diente. Neben Sherman liegt ein 1,20 Meter dicker Ast, der 2006 vom Baum gefallen ist. Er gibt ein Gefühl für die Dimensionen weit oben in der Krone.
Unter Sequoia Forest muss man sich aber keine Monokultur vorstellen. Zwischen den Riesenbäumen stehen stattliche Tannen, Ponderosa- und Zuckereichen, die aber neben den Mammuts wie Zahnstocher aussehen. Von dem Giganten unter den Giganten gehen etliche Wanderwege aus. Der Congress Trail ist ein zwei Meilen langer Lehr-Wanderpfad. Hier können die Besucher noch junge Mammutbäume sehen, die erst 150 Jahre alt sind. Andere Exemplare sind zwar von Feuern versengt, konnten aber wegen ihrer widerstandsfähigen Borke überleben, deren seltsame Struktur dem Riesen etwas Muskulöses verleiht. Noch andere sind umgefallen, verrotten aber kaum. Tote Mammutbäume werden durch das im Holz enthaltene Tannin konserviert.
Zurück auf dem Generals Highway geht es in nordwestlicher Richtung ein Stück aus dem Park hinaus in den Sequoia National Forest, bevor die Straße nach Grant Grove in einen Seitenarm des Nationalparks eintaucht.
Kurz hinter der Abzweigung zum Grant Grove Visitor Center biegt die Straße zum General Grant Tree ab. Er ist der zweitgrößte Baum des Parks, der nationale Weihnachtsbaum und der einzige lebende "National Treasure". Dieser Teil des Parks zeigt aber auch die Verwüstung, die die Holzunternehmen angerichtet haben. Der Centennial Stump ist als Überbleibsel zu sehen, auf dem Big Stump Trail reihen sich andere gewaltige Baumstümpfe aneinander.
Unser letzter Abstecher gilt dem Panoramic Point. Beim Grant Grove Visitor Center biegen wir auf eine 2,5 Meilen lange Strecke ab, die letzten paar hundert Meter vom Kamm muss man zu Fuß gehen. Dort öffnet sich aber ein gigantischer Blick auf die umliegenden Gipfel.
Ein weiterer Tagesausflug führt über den Highway 180 in den engen Canyon des Kings River hinein - eine unglaubliche Strecke, auf der die Berge bedrohlich über unseren Köpfen hängen. Wir halten am Junction View, wo senkrechte Felswände den Fluss einklammern.
Bei Cedar Grove endet die Straße. Hier kann man eine völlig andere Landschaft als oben an den Hängen bestaunen: Flusszedern, Gelbkiefern, immergrüne Eichen und Weißtannen machen den Ort zu einer fruchtbaren Idylle, die besonders vor dem Hintergrund der schneebedeckten Granithühnen zur Geltung kommt. Gegen die saftige Fülle wirken die Hochlagen des Parks wie Skelette. Dort oben liegen zwischen Meilen baren weißen Steins hunderte von Seen. Mit dem Auto geht es nur noch über den Cedar Grove Motor Nature Trail, einen ehemaligen Viehweg, von der Hauptstraße ab; zu Fuß kann man sich hier über einen der vielen Wanderwege voll auf die Natur einlassen. Bequem und wunderschön ist der kleine Spaziergang zu den Roaring River Falls. Von der South Fork des Kings River gehen wir über eine Hängebrücke auf die Zumwalt Meadow und besteigen einen Hügel - von dort oben genießen wir den Blick auf das spektakuläre Tal.

WANDERN


Damit sind wir bei der Lieblingsbeschäftigung der Parkbesucher, dem Wandern. Über 800 Meilen an Pfaden durchziehen Sequoia und Kings Canyon. 84 Prozent des Parks sind von der Zivilisation unberührt. Wer sich hier mit Rucksack und Zelt zu einer Tour aufmacht, kann sich so weit von jeder Straße entfernen wie nirgendwo anders in den USA - Alaska natürlich mal wieder ausgenommen. Zwar wandert nur ein Bruchteil der Besucher tiefer in den Park hinein, trotzdem ist die Besucherzahl beschränkt. Das Permit besorgt man sich bei den Visitor Centers an den Eingängen.
Der Garfield Grove führt vom South Fork Campground ganz im Süden des Parks in die Chaparrals. Diese Buschlandschaft ist die artenreichste Flora Nordamerikas und wächst am Vorgebirge der Sierra Nevada. Schnell steigt der Pfad in Eichenwälder hinein zum Putnam Canyon. Von hier aus geht es weiter in den Snowslide Canyon und den Garfield Grove - hier können Wanderer die Mammutbäume weit weg vom Rummel um General Sherman genießen.
Elf Meilen nördlich des Giant Forest startet der Tokopah Falls Trail am General Highway. Er führt über 1,7 Meilen ohne anstrengende Steigungen am Kaweah River entlang zu den faszinierenden Granitfelsen und dem Wasserfall am Tokopah Canyon. Die Tokopah Falls sind über 360 Meter hoch und besonders im Frühjahr beeindruckend, wenn das Tauwasser in den Pool hinunterdonnert.
Eine weitere beliebte Wanderung ist der Moro Rock Trail, der aus der Hektik des Giant Forest Village hinausführt und über 900 Stufen hinauf zum Blick über das Tal und auf die Mammutbäume von oben (4,5 Meilen). Die Strecke ist atemberaubend und so steil, dass hier ohne die Treppe nur Extremkletterer hochkämen.
Wanderer sollten sich immer vor Bären in Acht nehmen. Es sind zwar meist friedliche Tiere, die bei einer Konfrontation die Flucht ergreifen oder nur bluffen. Dennoch können Bären, die sich in die Enge getrieben fühlen oder ihr Junges verteidigen wollen, gefährlich werden. Man sollte auf offenem Feld mindestens 30 Meter Abstand halten und immer auf frische Spuren achten. Das Essen sollte immer sofort sorgfältig weggeschlossen werden, denn vor allem Bären, die Menschen mit Essen in Verbindung bringen, sind gefährlich.
Auch kursieren Horror-Geschichten über Pumas. Tatsache ist: Das Risiko eines Pumaangriffs ist geringer, als vom Blitz erschlagen zu werden.

REISEZEIT


Die Temperatur ist natürlich von der Höhe abhängig. Die mittleren Lagen sind von Dezember bis Mai unter tiefem Schnee begraben, dann sind auch einige Straßen gesperrt, darunter auf jeden Fall die in den Kings Canyon und zur Crystal Cave. Während weiter oben der Schnee schmilzt und die Bäche zu reißenden Flüssen werden, blühen von Ende März bis Mitte Mai die Wildblumen im Vorgebirge - eine sehr schöne Reisezeit. Allerdings variiert der Frühlingsbeginn. Der Großteil der Besucher kommt im Juli, August und Anfang September. Selbst dann können in den höheren Lagen nachts noch Temperaturen unter null Grad vorkommen. Gleichzeitig steigen sie in den Sequoia-Wäldern auf über 30 Grad.

ANREISE


Von San Francisco aus auf die Interstate 580 nach Süden, ihr dann nach Osten folgen und bei Manteca auf den Highway 99 nach Süden abbiegen. Bei Fresno zweigt der Highway 180 nach Osten ab, der direkt zum Parkeingang führt.
Von Los Angeles (245 Meilen) aus auf der Interstate 5 nach Norden bis der Highway 99 rechts abzweigt. Hinter Tulare nach Visalia abbiegen, dann auf dem Highway 198 in den Park. Der nächste Flughafen liegt in Fresno.

UNTERKUNFT


Es gibt vier Lodges im Park. Die Wuksachi Lodge liegt im Sequoia-Teil nur vier Meilen vom Giant Forest entfernt. Die John Muir Lodge liegt im Kings Canyon Park, in der Nähe von Grant Grove. Rustikalere Unterkünfte bieten die Grant Grove Cabins, die in der Natur verstreut sind.
Die Cedar Grove Lodge liegt tief im Park über dem Kings Canyon am Ende des Highway 180. Sie ist nur von April bis Mitte Oktober geöffnet, aber ideal als Startpunkt für Wanderungen. Alle Lodges sind unter www.nationalparkreservations.com zu buchen.
Im Park gibt es außerdem 14 Campingplätze, die jeweils ein halbes Jahr im Voraus unter www.recreation.gov zu buchen sind.

AUSKUNFT


Infos über den Park unter www.nps.gov/seki


Ausgabe 6-2007

© Text: AMERICA/Lukas Martin
 

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