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 © Tobago Tourism Agency
© Tobago Tourism Agency

Tobago: 250 Jahre Waldschutz



Am 13. April 1776 stellte Tobago den Main Ridge Rainforest unter Schutz. Heute gilt dieses Reservat als ältestes durchgehend gesetzlich geschütztes Naturschutzgebiet der westlichen Hemisphäre. Und als beeindruckender Vorreiter für Waldschutz.

Was damals als pragmatische Maßnahme zur Sicherung der Wasserversorgung begann, ist rückblickend ein Meilenstein der Umweltgeschichte und ein frühes Beispiel dafür, wie wissenschaftliche Erkenntnis politisches Handeln verändern kann.

Ein einzelner Mann gegen den Profit


Die treibende Kraft hinter diesem Schritt war ausgerechnet ein Mann des Handels: Soame Jenyns, britischer Parlamentarier und zuständig für Plantagen- und Wirtschaftsfragen. Während viele seiner Kollegen im dichten Grün Tobagos vor allem wertvolles Bauholz und neue Zuckerrohrflächen sahen, argumentierte Jenyns für den Erhalt des Waldes.
Seine Überzeugung speiste sich aus den Forschungen des Naturwissenschaftlers Stephen Hales, der den Zusammenhang zwischen Waldflächen, Niederschlag und Wasserkreisläufen belegte – eine These, die im 18. Jahrhundert als revolutionär galt. Elf Jahre lang kämpfte Jenyns im Parlament gegen wirtschaftliche Interessen und die gängige Praxis kolonialer Ausbeutung.

Drastische Strafen


Entscheidend war schließlich der Blick auf die Nachbarinsel Barbados: Dort hatte die nahezu vollständige Abholzung der Wälder zu Wassermangel, Bodenerosion und ökologischer Instabilität geführt. Tobago sollte nicht denselben Weg gehen.
1776 setzte sich deshalb nicht der kurzfristige Profit durch, sondern ein Gesetz, das den Main Ridge Rainforest dauerhaft schützte – flankiert von drastischen Strafen: Wer den Wald zerstörte, musste mit Geldbußen von bis zu 500 Pfund rechnen, eine für die damalige Zeit existenzbedrohende Summe.
Heute bildet das Gebiet das ökologische Rückgrat der Insel. Der Main Ridge Rainforest zieht sich wie eine grüne Wirbelsäule durch Tobagos Inneres: Er speist Flüsse und Aquifere, reguliert das Mikroklima, schützt vor Überschwemmungen und Erosion und wirkt als natürlicher Puffer gegen die Folgen des Klimawandels.

Seltene Arten


Auf engem Raum treffen hier unterschiedliche Waldtypen aufeinander: vom Tiefland- bis zum Nebelwald. Der Regenwald ist Lebensraum für zahlreiche endemische und bedrohte Arten, darunter der Cocrico, Tobagos Nationalvogel, sowie der White-tailed Sabrewing, eine ikonische Kolibriart. Auch seltene Amphibien, Reptilien und Pflanzen finden hier Zuflucht. International ist diese Bedeutung längst anerkannt: Der Main Ridge ist Teil des North-East Tobago Man and the Biosphere Reserve, wurde mehrfach ausgezeichnet und als UNESCO-Welterbestätte nominiert.

Teil der Identität


Der Main Ridge Rainforest ist auch ein kulturelles Gedächtnis und ein Symbol für Verantwortung über Generationen hinweg. Seit Jahrhunderten leben die Menschen Tobagos in Koexistenz mit dem Wald.
Indigenes Wissen spielt dabei eine zentrale Rolle: Schon die Amerindianer, später afrikanische, europäische und indische Gemeinschaften, nutzten die Pflanzen des Regenwaldes als natürliche Medizin.
Über 300 Pflanzenarten in Trinidad & Tobago sind für ihre heilenden Eigenschaften bekannt. Rinden, Wurzeln und Blätter wurden zu Heilmitteln verarbeitet, das Wissen darüber über Generationen mündlich weitergegeben.

Kompass für eine globale Debatte


In Zeiten von Klimakrise, Wasserknappheit und Biodiversitätsverlust wirkt Tobagos Entscheidung von 1776 erstaunlich aktuell. Der Main Ridge Rainforest steht für eine Haltung, die heute weltweit gesucht wird: Wissenschaftsbasiertes Handeln, langfristiges Denken und die Einsicht, dass wirtschaftliche Entwicklung ohne intakte Ökosysteme nicht nachhaltig sein kann.


INFORMATIONEN
www.visittobago.de


© Text: Tobago Tourism Agency c/o Noble Kommunikation
 
 

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